Wien 1870 – 1945 Wien

Ferdinand Brunner ließ bereits als Kind schöpferisches Talent erkennen, trat im Alter von 14 Jahren in das Atelier der Maler Brioschi, Burghart und Kautsky ein und studierte anschließend an der Akademie der bildenden Künste. Schon seine frühen Werke waren in ihrer künstlerischen Auffassung durchaus selbständig. Brunner suchte – gleichsam als Antwort auf den Stimmungsimpressionismus des Kreises um Emil Jakob Schindler – nach Beruhigung der Form und neuen Inhalten und fand erstaunlich schnell seinen persönlichen Weg: Fortan widmete er sich ganz der Wiedergabe einfacher Landschaftslinien in ungebrochenem Kolorit, zunehmend zu wahrer Meisterschaft auf diesem Gebiet heranreifend. Dabei erforderte das Streben des Malers nach bildimmanenter Ruhe konsequenter Weise eine Befreiung von zu vielen Details. Brunner begann kleinteilige Motivbeschreibungen zugunsten größerer, monochromer Farbflächen aufzugeben und sich dem Verhältnis von Fläche und Raum zu widmen. Von modischen Strömungen und Ismen nur leicht tangiert, wandte sich sein poetisches Empfinden mehr und mehr dem Inhalt zu, legte er zunehmend Wert auf die Auswahl seiner Motive und deren beseelte Aussage. Dabei spielte das Topografische in seinen Werken nur eine sehr untergeordnete Rolle. Brunners Landschaften sind in der Regel auf den ersten Blick unscheinbare Motive, die einzig durch ihre künstlerische Umsetzung Bedeutung erlangen. Denn dem Maler war nicht das exakte Abbild wichtig, sondern das in ruhigen Farben von großer Tonigkeit wohlkomponierte Ideal.

Durch sein unbeirrbares Festhalten an der von Anfang an eingeschlagenen Richtung und die stete Vervollkommnung seiner malerischen Fähigkeiten schuf Ferdinand Brunner sich allmählich einen großen Kreis von Bewunderern. 1906 errang er den Kaiserpreis, 1908 die Kleine Goldene Staatsmedaille, 1910 die Große Goldene Staatsmedaille, 1922 wurde ihm der Titel Professor verliehen. Zu den Erfolgen des Künstlers zählen auch die Ankäufe namhafter Sammler und Museen. Heute befinden sich seine Gemälde u.a. in der Österreichischen Galerie Belvedere, der Sammlung Leopold, der Sammlung des Fürsten v.u.z. Liechtenstein, im Wien Museum, im NÖ Landesmuseum, der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste sowie in vielen Privatsammlungen.

Mit seiner sehr persönlichen Bildsprache ist Ferdinand Brunner ein außergewöhnlicher Landschaftsmaler. Seine Kompositionen sind von spannungsvoller Klarheit, aber ausgewogen und um Harmonie bemüht. Dabei weicht die Poesie der Gemälde jedweder Übertreibung aus, denn Brunner war von lyrischer Wesensart mit einem leisen Hang zur Melancholie, das Dramatische lag ihm fern. Darüber hinaus liebte er die Einsamkeit und vermied deshalb jegliche Staffage. Dennoch tönt aus seinen Landschaften eine zarte Melodie – es sind der unmittelbare Atem der Natur, das Murmeln des Windes oder das Rauschen eines Flusses, die den Betrachter in seinen Bann ziehen. Die Dynamik seiner Gemälde entsteht aus scheinbar einfachen Elementen, deren Wirkung jedoch stets eindringlich und nachhaltig ist. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die tonige Farbgebung, die nur durch das charakteristische tiefe Grün der Wiesen belebt wird. Meisterlich gelang es Brunner, seinen Bildschöpfungen einen stimmungshaften Inhalt zu verleihen und gleichzeitig einen gänzlich unpathetischen Charakter zu bewahren.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Ferdinand Brunner war ein Maler der Stille. Sein Œuvre widmet sich entlegenen Bauernhöfen, Mühlen, Wiesen und Gewässern abseits der Städte mit dem lärmenden Hasten der Menschen. In den Arbeiten dieses Künstlers wird sein Bestreben nach einem konzentrierten Naturerlebnis spürbar, nach einem Festhalten des Augenblicks, der zum meditativen Innehalten einlädt.


Ballabene Rudolf Raimund
Barbarini Emil
Bayer Julius
Blau Tina
Brunner Ferdinand
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien