Unter allen Bauten nimmt der Stephansdom die vornehmste Stellung ein. Er wurzelt in der romanischen Epoche und ragt in die Blütezeit der Gotik hinein. Er war einer der frühesten Hallenbauten Österreichs und gab der heimischen Kirchenarchitektur damit eine bestimmte, nicht unwesentliche Richtung. Drei Jahrhunderte nahm der Bau in Anspruch und wenn wir heute das "Wunderwerk" aufmerksam betrachten und lange hineinsehen in das Gewirr von Spitzen und Zacken, so können wir uns eines ehrfurchtsvollen Staunens nicht erwehren. Der ganze Zauber der Gotik nimmt uns plötzlich gefangen. Es scheint alsdann, als ob sich jetzt alles belebte, als ob alles emporwüchse zum Licht, zum Himmel hinan; eine Spitze aus der anderen, immer höher und höher rastlos aufsteigend in endlosen Pyramiden, Fialen und Giebeln. <br>Um 1135 erlangten die Babenberger die Stadtherrschaft über Wien. Leopold IV. übertrug im "Tauschvertrag von Mautern" dem Bischof von Passau das Patronat über die Wiener Stadtkirchen. Kurze Zeit später begann dieser mit dem Bau einer Kirche außerhalb der Stadtmauern. 1147 wurde die Kirche, im romanischen Stil erbaut, zu Ehren des hl. Stephan geweiht. Unter Leopold V. (1177 bis 1194) erfuhr Wien eine nachhaltige räumliche Erweiterung, in deren Zuge auch das Gebiet um den Stephansplatz einbezogen wurde. 1230/40 wurde über dem selben Grundriss ein Neubau der Stephanskirche begonnen. Teile dieses spätromanischen Baues wurden in den späteren, gotischen Dom einbezogen und sind bis heute (Westfront) erhalten. 1304 begann man mit der Errichtung des dreischiffigen, kreuzrippengewölbten Hallenchors, 1359 legte Herzog Rudolf IV. , "der Stifter", den Grundstein für das Langhaus und den durch seine Höhe von 137 m beeindruckenden Südturm. Da Rudolf IV. sich bei seinen Bauvorhaben in erster Linie an Prag orientierte, lässt auch der Südturm des Stephansdomes Prager Einflüsse erkennen. Er wächst von einem quadratischen Grundriss zum Oktogon, wobei die Baumasse mit zunehmender Höhe durch Maßwerk, Giebel und Baldachine aufgelöst wird. Das obere Drittel bildet schließlich ein achteckiger Helm mit einer bekrönenden Kreuzblume. Der Stephansdom ist nicht zuletzt aufgrund der langen Bauzeit (der Bau des Nordturmes wurde erst 1511 eingestellt) stilistisch sehr uneinheitlich. Trotzdem hat man den Eindruck eines in sich geschlossenen Bauwerks.

Was nun die künstlerische Umsetzung Paul Kaspars in besonderer Weise auszeichnet, ist die Unmittelbarkeit der Darstellung. Die Szene scheint direkt aus dem Leben gegriffen und wirkt dennoch in der Komposition durchdacht. So verstärkt etwa die Wahl des äußerst tief liegenden Horizonts den Eindruck der Raumtiefe. Diese nützt Kaspar, um das absichtslos über die Bildfläche schweifende Auge des Betrachters durch zahllose Einzelszenen - Personen und bewegten Verkehr von Kutschen und Automobilen - zu erfreuen. Die feinen Beobachtungen Kaspars markieren neben dem künstlerischen auch den dokumentarischen Wert des Aquarells.

   

Kaspar Paul
Kaufmann Adolf
Kaufmann Wilhelm
Koko Demeter
Kokoschka Oskar
Kriehuber Josef
Kubin Alfred
Galerie Szaal, Schottenring 10, 1010 Wien